Waldgärtner – Das Spiel

Quelle: http://www.edition-essentia.de/waldgaertner.html

Als Liebhaberin der Permakultur und Kleingärtnerin, die von einem großen Landsitz träumt, finde ich das Thema „Waldgarten“ ganz besonders spannend. Just seit vorletztem Jahr gibt es dazu ein Gesellschaftsspiel von Claas Fischer, damit man spielend lernen kann.

Worum es geht

Der Begriff des Waldgarten wurde in den letzten Jahren stark von der Permakultur geprägt – wenn auch nicht erfunden. In einem Waldgarten wird das Prinzip des Mischwalds mit seinen verschiedenen Baum- und Strauchschichten, die sich gegenseitig beeinflussen, imitiert. Nun werden verschiedene Nutzhölzer von Bodendeckern, über Sträucher bis hin zu hochwachsenden Bäumen so kombiniert, dass sie sich gegenseitig helfen und gemeinsam ein starkes Ökosystem bilden.

Im Spiel soll das Anpflanzen eines Waldgartens nachvollzogen werden. Je nachdem, wieviel Mitspieler es gibt, entscheidet man sich für die Pflanzenkarten von Nordamerika, Europa oder Asien. Mit teilweise recht ausgefallenen Exemplaren baut sich jeder Spieler seinen eigenen Waldgarten auf und sammelt im Laufe von zwei Jahresläufen Punkte.

Ausgetestet

An einem langen Winterabend hab ich mich mit Viggo vom Ziegelhof an das Spiel heran getraut. Die Bedienungsanleitung ist ziemlich abschreckend, aber wir haben uns mit Lesebrille und Muße durchgeackert und es dann doch ganz gut verstanden. In den ersten Runden des Spiels haben wir noch ziemlich oft nachlesen müssen. Aber am Ende war ich ganz stolz, dass wir den Dreh raushatten und flüssig spielen konnten. Für Müßiggänger gibt es ein Erklärvideo des Autoren.

Praktisches Wissen für Waldgärtner

Je weiter wir kamen, um so mehr wurde das Spiel strategisch. Da kamen Fragen auf wie „Pflanz‘ ich jetzt diese wertvolle Kirsche und gehe das Risiko ein, keine zweite Befruchterkirsche zu ergattern oder verkauf ich sie lieber?“ Genau bei diesen Strategie-Fragen hat bei mir der Lerneffekt eingesetzt. Ich weiß jetzt, dass nicht nur Süßkirschen und Haselnüsse einen zweiten Baum zum Bestäuben brauchen, sondern auch Sanddorn. Über Stickstoffverbesserer, die Zeiten von Blüte und Ernte der jeweiligen Bäume habe ich auch etwas lernen können. Außerdem hab ich eine Unmenge neuer Gehölze kennengelernt, die man alle in irgendeiner Form essen kann und die mehrjährig sind. Wir haben mit den Karten der europäischen Pflanzen gespielt und waren richtig überrascht über die Vielzahl von uns unbekannten Sträuchern. Das ist wohl auch das Faible von Claas Fischer, denn in seinem eigenen Waldgarten hat er auf einer Fläche von 1410m² ganze 162 verschiedene Gehölzsorten.

 

Lust auf mehr

Selbst wenn mir schon jetzt wieder ziemlich viel entfallen ist, hatte ich die Gelegenheit bei diesem Spieleabend viel zu lernen. Aber so richtig zufrieden bin ich damit nicht. Ich empfinde den Wissensinput vom Spiel eher als einen Anreiz, selbst noch mehr herauszufinden. Eigentlich hab ich nämlich zu 90% erfahren, wie wenig Pflanzen ich kenne und über sie sagen könnte. Am liebsten hätte ich zu jeder Pflanze einen kleinen Steckbrief gehabt, damit ich auch etwas mehr als nur ihre Blütezeit lerne.

Ich hab mir also vorgenommen, das Spiel demnächst nocheinmal zu spielen. Aber dann werde ich meinen Laptop anbei stehen haben, um all die unbekannten Pflanzen mal fix recherchieren zu können. Wenn es schon ein Spiel mit Lerneffekt ist, dann doch bitte richtig!

Wehmut

Und da wären wir auch schon bei meinem großen Wehmutstropfen: Es handelt sich hier vor allem um ein Lernmittel und weniger um ein Spiel. Ich jedenfalls verbinde mit einem Gesellschaftsspiel viel Spaß und rege Gefühle. Glück und Strategie, hoch pokern, tief fallen, haushoch gewinnen, Jubelrufe und Flunsch ziehen gehören für mich zu einem gelungenen Spiel dazu. Aber sowas darf man vom Waldgärtner-Spiel nicht unbedingt erwarten. Die Freude entsteht hier, wenn ich etwas Neues lerne und dann mein Wissen geschickt kombiniere.

Falls ihr nicht abgeschreckt seid und Gefallen findet an   einem intellektuellen Spiel, könnt ihr "Waldgärtner" auf   der Homepage von Claas Fischer erwerben: http://www.edition-essentia.de/waldgaertner.html

9 wissenswerte Dinge, die Russischen Kreistanz irgendwie ganz cool machen

#1 Er wird in den Ökodörfern und auf Festivals getanzt

Wenn russische Aussteiger eine Party feiern, dann bitteschön nicht ohne Musik und Tanz. Ob bei einer kleinen Feier in einer Familienlandsitzsiedlung oder bei Russlands größtem alternativen Festival – getanzt wird immer und gern auch schon vor dem Frühstück.

Meistens ruft der Tanzmeister die Leute übers Mikro zusammen, stellt die Musik auf laut und los geht’s. Schon früher war es Tradition, dass eine Tänzerin die Leitung übernommen und bestimmte Figuren oder Schritte initiiert hat. Und so ist es auch heute geblieben. Wenn sich die Tanzbegeisterten gesammelt und zu einem großen Kreis aufgestellt haben – am liebsten Frauen und Männer im Wechsel – kann es losgehen.

#2 Man kann sich nicht zum Ei machen

Das Gute an Kreistänzen ist, dass sie simpel und schnell zu erlernen sind. Außerdem gibt es ja den Tanzmeister, der immer ansagt, was gerade dran ist. Die übliche Angst davor, sich vor versammelter Mannschaft zu blamieren, ist komplett unbegründet. Allerdings kann man sich auch nicht durch besonders hübsches Tanzen hervortun. Beim Kreistanz sind alle gleich. Und es macht Spaß, hab ich das eigentlich schon erwähnt?!

 

#3 Die ganze Festgemeinschaft tanzt zusammen

Hast Du mal eine Luftbildaufnahme von einem russischen Festival-Tanz gesehen? (Mein Tipp: Schau dir das Video zu #7 an). Das sieht echt beeindruckend aus, wenn 300 Leute und mehr sich als Spiralen, Kreise und Schlangen bewegen! Tatsächlich geht es in den Kreistänzen auch darum, das Gefühl der Einheit und Verbundenheit in Gemeinschaft zu spüren.

#4 Man begegnet ganz, ganz vielen Menschen

Bei so einem Kreistanz hält man meistens die Hände seiner Nachbarn rechts und links und bewegt sich als Kette. Sobald sich der Kreis einmal auflöst, vielleicht Innen- und Außenkreis gebildet, Spiralen oder sonst irgendwelche Figuren gelaufen werden, begegnet man anderen Menschen. Und zwar vielen. Man sieht sich, schaut sich an, lächelt, lacht, – was auch immer. So manch ein Schelm nutzt die Gelegenheit zum Flirten. Früher, als es noch kein Parship gab, hat man sich den Partner beim Tanzen ausgeguckt.

#5 Definitiv älter als Walzer, Foxtrott oder Ballett

Die Ursprünge des Chorowod (sprich: Charawod, von russ. Хоровод = Reigen) sind im heidnischen Russland zu suchen. Manche behaupten sogar, dass Chorowod im Altslawischen sowas wie „sich um die Sonne bewegen“ bedeutet. Demzufolge war der Tanz ein Ritual zu Ehren des Sonnengottes. Er war langsam, festlich, erhaben und begleitet von Gesang.

#6 Eine Entwicklung über viele Jahrhunderte

Durch die Christianisierung wurden die paganen Riten zwar ausgerottet, die Form des Tanzes überlebte jedoch und wurde schon bald überhaupt nicht mehr mit irgendeinem Kult assoziiert. Im Gegenteil, der Kreistanz gilt seit Langem als spielerische Unterhaltung für junge Leute. Sonntags auf den Dörfern, zum Markttag oder sonst welchen Festtagen traf man sich zum gemeinsamen Tanzen und Singen. Es heißt sogar, dass sich ein Mädchen im Festtagsgewand auf den Platz stellte, zu singen und zu tanzen begann und damit andere Jungs und Mädels einlud mitzumachen.

#7 Tanzen für den Frieden

Im letzten Sommer haben ein paar Engagierte ein großes Tanzprojekt initiiert: Хороводы мира (sprich: Chorowodi mira). Zum „Friedenstanz“ sind mehrere hundert – im russischen Fernsehen hieß es sogar 1000 – Menschen auf den Palastplatz im Zentrum von Sankt Petersburg gekommen. Bands haben gespielt und die Leute haben getanzt. Bezeichnenderweise kann man das russische Wort mira sowohl mit Frieden, als auch Welt übersetzen. Den Initiatoren war es ein Anliegen, Menschen unterschiedlicher Herkunft und Hautfarbe einzuladen. Es sollte ein Friedenstanz für die Welt sein.

#8 Ein kleines Spiel oder doch einfach nur eine bessere Polonaise?

Es gibt total verschiedene Formen und Stile des Chorowod. Nicht nur, dass von Region zu Region die Schritte, Rhythmen, das Klatschen, Aufstampfen, Kopfnicken oder was auch immer, variiert. Es gibt auch zwei grundlegend unterschiedliche Kategorien. Die eine steht für den ornamentalen Tanz, wo man Spiralen & Co tanzt. Die andere steht für das Spiel, wo mit Tanz und Gesang eine kleine Geschichte erzählt wird. Am gesellschaftsfähigsten ist natürlich der ornamentale Chorowod, weil man ohne nur einen Tanzschritt zu kennen, gleich mitmachen kann.

#9 Schon Homer hat Reigen getanzt!

Gut, Homer war kein Russe, aber trotzdem nett zu wissen. Bei den Griechen hieß der Kreistanz Chorea (ἡ χορεία hē choreía) und bestand aus Tanz plus Gesang. Unser Wort ‚Chor‘ leitet sich daher ab. Manche meinen, dass der Chorowod eben auch davon abstammt, schließlich ist es auch so eine Art Chortanz.